Offene Ganztagsschule Richardstraße

Ganztagskonzept

Eine Gemeinschaftsproduktion der AWO Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
sowie der Lehrerinnen und Lehrer an der GGS Richardstraße!

 

  1. Einleitung
  2. Ziel
  3. Zielgruppe
  4. Bedarf
  5. Innovative Elemente
  6. Personal
  7. Räume
  8. Methoden
  9. Vernetzung
  10. Erreichbarkeit

An der Erstellung dieses Konzeptes waren beteiligt:

  • Friedegard Schulz, Schulleiterin
  • Marion Andernach, kommissarische Stellvertretung
  • Silvia Hill, Teamleitung der Arbeiterwohlfahrt e.V.

1. Einleitung

Die Zusammenarbeit der Arbeiterwohlfahrt e.V. mit der GGS Richardstraße hat bereits eine lange Tradition. 1997 startete sie mit der Öffnung von Schule für Partner der Jugendhilfe und der daraus entstandenen Betreuungsmaßnahme SiT (Schüler in Tageseinrichtungen). Kinder hatten hier die Möglichkeit, nach dem Unterricht bei Bedarf über Mittag betreut zu werden, ihre Hausaufgaben zu machen und an sozialpädagogischen Angeboten teilzunehmen.

Es zeigte sich jedoch sehr schnell, dass wer den Tagesablauf und die Verfassung eines Kindes nicht nachvollziehen kann, dieses nur schwer motivieren kann, seine Hausaufgaben zu erledigen oder an einem pädagogischen  Angebot teilzunehmen.

Frustration bei Kindern, Eltern, KlassenlehrerInnen und ErzieherInnen aufgrund unerfüllter Erwartungen sind somit vorprogrammiert. Die intensive Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten ist unausweichlich, will Jugendhilfe gemeinsam mit Schule die Kinder individuell fördern und da „abholen“, wo jedes einzelne Kind steht.

Kooperationsstrukturen zwischen allen Beteiligten müssen gefunden werden, um vor dem Hintergrund der gegenseitigen Wertschätzung und Anerkennung an diesem gemeinsamen Ziel arbeiten zu können. Die seinerzeit erarbeiteten Grundsätze sind bis heute gültig und beschreiben die Philosophie der Gemeinschaftsgrundschule Richardstraße im Wesentlichen:

Alle sind willkommen!                                               Alle kommen mit!
Alle sind wertvoll!                                                     Alle werden anerkannt!
Alle werden wertgeschätzt!                                       Alle machen mit!
Niemand wird beschämt!

In einer eigens dafür einberufenen Konferenz, in der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWO beratend tätig waren, wurde der Beginn einer zukunftsorientierten Kooperation beschlossen. Im Rahmen der Einrichtung der Offenen Ganztagsschule, aufbauend auf den Runderlass des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, wurde das Leben und Lernen im Sinne der Kinder völlig neu gestaltet.

Ein rhythmisiertes System, das den Biorhythmus der Kinder berücksichtigt und den Stundenplan entsprechend individuell gestaltet, wurde entwickelt. Kinder aus unterschiedlichen Altersklassen, jahrgangsgemischt von Erst- bis Viertklässlern, in reinen Ganztagsklassen, bilden seither die Rahmenbedingungen für ein individuelles Förderkonzept.

2. Ziel

Einander helfen - Miteinander sprechen - Sich aufeinander verlassen, das sind die zentralen Aufgabenschwerpunkte der Erziehungsarbeit, neben der Unterrichtsarbeit. Ziel ist der pädagogische Konsens zwischen Schülern, Eltern, pädagogischen Mitarbeiterinnen und Lehrerinnen.
Insgesamt geht es darum, ein konfliktarmes, gleichwertiges Miteinander zu erhalten bzw. zu schaffen, bei dem das einzelne Kind in seinen positiven Persönlichkeitsmerkmalen und Intentionen bestärkt wird und in Problemsituationen und Konflikten Hilfe und Führung erfährt. Die Hilfestellung soll kompetent, problembezogen und kindgerecht sein und von den Eltern mitgetragen werden.

3. Zielgruppe

Die Zielgruppe an der GGS Richardstraße sind alle Grundschulkinder im Alter von 5 – 11 Jahren und deren Erziehungsberechtigten.

4. Bedarf

Die GGS Richardstraße in Düsseldorf-Eller befindet sich in einem Stadtteil, der im Armutsbericht 2011 Erwähnung findet. Der Anteil der Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund liegt bei 75%. Ein Anrecht auf Unterstützung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket haben mehr als 60%. Unsere Schule besuchen insgesamt 283 Kinder, davon sind 225 Kinder in den Ganztagsklassen!

5. Innovative Elemente

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AWO begleiten, unterstützen und lenken das Geschehen an der GGS Richardstraße gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern. Alle Entscheidungen die inhaltliche, strukturelle oder konzeptionelle Ebene betreffend, werden in Gremien getroffen, in denen Mitglieder des Schul- und Ganztagsträgers zu finden sind. Die Schulleitung wird hier aus einem Team von Schule und Jugendhilfe repräsentiert.

Die gegenseitige Akzeptanz der unterschiedlichen Professionen und die daraus abgeleiteten Zusammenarbeitsformen sind das Fundament, auf dem die Förderung der Kinder stattfindet. Alle Lehrplanthemen werden von Lehrerinnen und Lehrern sowie den pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausgewählt und entsprechend der Profession und Fähigkeit umgesetzt. Themenfelder haben so für die Kinder in ihren unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen einen Wiedererkennungswert. Zeugnisse werden von den Lehrerinnen geschrieben und von den Gruppenleitungen ergänzt.

6. Personal

In insgesamt 9 Ganztagsklassen sind jeweils eine Lehrerin oder Lehrer, eine Gruppenleitung mit 34 Stunden sowie eine Ergänzungskraft mit 10 Stunden tätig.

Das Lehrerkollegium ist dem Land und der Stadt unterstellt, die Stundenzahlen variieren je nach Vertrag. Die Gruppenleitungen sowie die Ergänzungskräfte werden von der Arbeiterwohlfahrt e.V. gestellt und angeleitet durch eine Projektleiterin.

Mindestvoraussetzung für die Arbeit als Erzieherin auf einer Gruppenleitungsstelle ist die Ausbildung zur Erzieherin. Die Ergänzungskräfte sollten mindestens Erfahrung in der Arbeit mit Kindergruppen nachweisen können. Eine Teamleitung mit 39 Stunden ist zur Koordinierung der innerbetrieblichen Aufgaben freigestellt. Sie bildet die Schnittstelle zwischen Schule und Jugendhilfe. Ihre Aufgaben umfassen Planung und Organisation von inhaltlichen und strukturellen Anforderungen innerhalb des Kooperationsvertrages. Darüber hinaus ist sie gemeinsam mit der Schulleitung für die innovative Weiterentwicklung der schulischen und erzieherischenTätigkeiten innerhalb des Schullebens zuständig. Die Vernetzung mit den umliegenden sozialen Institutionen, z. B. zur Gestaltung der Übergänge aus den Kindergärten in die Schule oder später in die weiterführenden Schulen sind ebenso von Bedeutung wie die Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften, Fortbildungen und Fachtagungen.

7. Räumlichkeiten

Jede Ganztagsklasse hat einen eigenen Raum mit rund 90 qm. Zusätzlich sind Mehrzweckräume mittels eines Nutzungsplanes für alle Gruppen zugängig. Werkraum, Englischraum sowie die verbleibenden drei Halbtagsklassenräume sind ebenfalls im Ganztag zu nutzen. Die Ganztagsklassen sind mit kompletten Küchen ausgestattet. Das Mittagessen wird in den Klassenräumen eingenommen. Für die Teamsitzungen stehen das Kollegiumszimmer und ein Arbeitszimmer zur Verfügung.

Seit Beginn dieses Jahres steht uns ein gesponserter Snoezelen-Raum zur Verfügung, der auch im Hinblick auf die Arbeit mit GU-Kindern (gemeinsamer Unterricht) und hinsichtlich der Inklusion zum Einsatz kommt.

8. Methoden

Die individuelle Förderung in Form von Ansprache, Anerkennung und Wertschätzung eines jeden Kindes in unserer Schule ist die Grundlage jeden Handelns. Ein pädagogisches Konzept kann nur dann für ein Kind wertvoll und sinnvoll anwendbar sein, wenn es die Ganzheitlichkeit des Einzelnen in den Vordergrund stellt. Das heißt, nur unter Berücksichtung der individuellen Biographie und Tagesform eines Kindes kann nachhaltiges Lernen stattfinden. 

Müde, hungrige, traurige, verstörte oder verängstigte Kinder können nicht in gleichem Maße Aufmerksamkeit aufbringen wie die anderen. Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht am Regelunterricht teilnehmen können, werden von den Erzieherinnen und Erziehern aufgefangen und pädagogisch begleitet.

Die Einzelförderung im kognitiv-schulischen Bereich, aber auch im therapeutisch- erzieherischen Bereich ist so nach Absprache im Klassenteam möglich.

Zusätzlich bieten wir individuelle Klein-Fördergruppen an, die dank zusätzlicher Sponsorenunterstützung eingerichtet werden konnten. So stehen Angebote in plastischem Gestalten und Werken zum Toben und Raufen sowie in Entspannung für Kleingruppengrößen bis zu 5 Kindern bereit. Die intensive Arbeit mit verhaltensauffälligen und problembelasteten Kindern ist so erst möglich geworden.

Das Förderteam besteht aus den Erzieherinnen und Erziehern der Ganztagsklassen, den Beratungs- und Förderschullehrerinnen sowie der Schulsozialarbeiterin. Letztere steht gemeinsam mit der Förderschullehrerin und anderen im Ganztag tätigen Personen beratend zur Seite. In sogenannten kleinen Fallbesprechungen werden Fort- bzw. Rückschritte besprochen und dokumentiert. So kann im Bedarfsfall und unter gemeinsamer Absprache das bestehende Netzwerk aus Jugendamt, Kinderschutzbund, Erziehungsberatung, Kinderarzt etc. eingeschaltet werden.  

Der pädagogische Mittagstisch wird von den Ergänzungskräften unter der Anleitung der Gruppenleitungen durchgeführt. Hier stehen Gemeinsamkeit, Selbstständigkeit und Rücksichtnahme sowie die Aspekte einer gesunden Ernährung ähnlich im Vordergrund,  wie der Austausch über Erlebtes der Kinder untereinander.

Der Stundenplan ist in sogenannte Lernblöcke unterteilt. Vormittags und nachmittags sind jeweils Unterrichtsstunden für die gesamte Klasse geblockt, in denen Lehrerin und Erzieherin gemeinsam arbeiten können. Fachunterricht soll nach Möglichkeit während der anderen Stunden stattfinden. So ist es mittlerweile in den Klassen Tradition, dass zweimal  wöchentlich in den Klassen soziale Gruppenarbeit durchgeführt wird, die sich hauptsächlich an den Wünschen der Kinder orientiert. Ebenso kann die Klasse in dieser Zeit, im Wechsel mit den Anderen, an einem der zur Verfügung stehenden außerschulischen Angebote teilnehmen. Hier stehen Fußball/Ballspiele, Capoeira, Schach und Musik zur Verfügung.

9. Vernetzung

Die Steuerungsgruppe besteht seit mehr als 10 Jahren an dieser Schule und begleitet und unterstützt die Entwicklung der Schule. Aus dieser Tradition heraus sind feste Vernetzungssysteme entstanden, die bei Bedarf schnelle und unkonventionelle Hilfe für Kinder und Familien ermöglichen. Folgende sind hier zu nennen:

  • AWO Erziehungsberatung (monatliche Beratungstermine in der Schule)
  • AWO Familienbildung (2 x jährlich Elterninfo-Abende mit Referenten)
  • Kinder- und Jugendpsychiater (Praxis Dr. Theill), individuelle Terminvergabe
  • Ergo Therapeutische Einrichtung (Praxis Fugmann) mit hauseigenem Fahrdienst
  • Bezirkssozialdienst berät auf Anfrage das Förderteam
  • Kinderschutzbund leistet Telefonberatung
  • AWO Schulsozialarbeiterin (Frau Nummert), ½ Stelle im Hause
  • Arbeitsgruppen mit den umliegenden Kindergärten und Familienzentren zur Gestaltung der Übergänge

Arbeitsgruppen und Gremien für die vielschichtigen Arbeitsfelder und Bedürfnisse sind für die Jugendhilfe entstanden und werden in Zusammenarbeit mit der Schulleitung gefördert und unterstützt:

  • Begleitung der Arbeit des Vereins der Förderer
  • Modellprojekt zur Entwicklung der Bildungsförderung von 0 - 10 Jahren
  • Mitarbeit im Schwerpunktangebot der Schule: Instrumentalunterricht gemeinsam mit den Musiklehrerinnen und Lehrern der Clara-Schumann-Musikschule
  • Arbeitsgruppe: Inklusion in Zusammenarbeit mit Eltern
  • Teilnahme an allen anfallenden Konferenzen

10. Erreichbarkeit

Das Sekretariat der Schule ist in der Zeit von Montag – Donnerstag
von 8:00 – 12:30 Uhr und donnerstags von 13.30 – 16.30 Uhr geöffnet.
Tel.: 0211/9215331

Die Teamleitung der AWO erreichen Sie von Montag – Donnerstag
von 8:00 – 16:00 Uhr und freitags von 8:00 – 14:00 Uhr.

Wir freuen uns über reges Interesse und sind selbst sehr daran interessiert, mehr über unsere Arbeit mitzuteilen. Für Besuche und Teilnahmen in unseren Ganztagsklassen stehen wir jederzeit zur Verfügung. Bitte melden Sie sich kurz unter den oben genannten Rufnummern an.

Zur Offenen Ganztagsschule können Sie Ihr Kind im Sekretariat der Schule anmelden. Alle Informationen über die finanzielle Abwicklung (Mittagsverpflegung und Betreuungsbeiträge) erhalten Sie ebenfalls dort.

Anhang

Die Kinder, die in den Ganztagsklassen leben und lernen, sind von Montag bis Donnerstag von 8:00 bis 16:15 Uhr und freitags bis um 15:00 Uhr in der Schule. Über den Tag verteilt, orientiert am Biorhythmus des Kindes, finden Lern-, Förder-, Spiel- und Freizeitangebote statt.

Statt Hausaufgaben bieten unsere pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern individuelle Förderangebote zur Ergänzung und Nachbereitung von Unterrichtsinhalten. Es gibt zahlreiche Angebote von Künstlern, Sportlehrern, Musikpädagogen, Waldpädagogen und anderen Fachleuten, die Lernangebote unterstützen und Freizeitqualität bieten. In den Ferien findet für angemeldete Kinder ein attraktives Programm von 8:00 - 16:00 Uhr, freitags bis 15:00 Uhr statt. Generell deckt das Ferienangebot sechs der insgesamt 12 Ferienwochen ab. Es gibt innerhalb eines Schuljahres 30 Schließungstage.

Wir bieten Ihren Kindern ein Ferienprogramm immer in der ersten Hälfte der Ferienzeit.

  • Herbstferien         (Erste Woche von zwei Wochen)
  • Winterferien        (Erste Woche von zwei Wochen) wenn möglich
  • Sommerferien      (ersten drei Wochen von sechs Wochen)
  • Osterferien          (Erste von zwei Wochen)

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